Die Krise ist noch nicht überstanden
2010 ist für die druckpartner Druck- und Medienhaus GmbH ein Jahr der Jubiläen: Das Essener Unternehmen wird 35 Jahre alt und Geschäftsführer Michael Matschuck ist seit 15 Jahren dabei. Clemens von Frentz sprach mit ihm über das Krisenjahr 2009, die aktuellen Zukunftspläne und das Umwelt-Engagement seines Unternehmens.
Herr Matschuck, wie ist das vergangene Jahr für Ihr Unternehmen gelaufen?
Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und dem insgesamt stark geschrumpften Markt sowie seiner ruinösen Preispolitik sind wir mit dem Ergebnis noch zufrieden.
Welche Investitionen haben Sie in den letzten zwei Jahren getätigt?
Im CTP-Bereich haben wir in einen vollautomatischen Thermal-plattenbelichter mit dem dazugehörigen neuen Workflow von Agfa investiert. Außerdem erhielten im Vorstufenbereich 15 Arbeitsplätze aktuelle Hard- und Software. Im Segment Digitaldruck war die Erweiterung durch den Kauf einer HP Indigo 5500 eine wichtige Investition. Der Offsetdruck wurde durch den Kauf einer Heidelberg XL 105 (Achtfarbenmschine) mit dem Inline-Mess- und Regelsystem Inpress Control verstärkt. Die Buchbinderei wurde durch die Inbetriebnahme eines Neun-Stationen-Sammelhefters ST 450 und einer Schneidemaschine Polar 115 XT – ebenfalls von Heidelberg – modernisiert.
Wie haben Sie diese Maßnahmen finanziert?
Sämtliche Investitionen wurden durch Eigenkapital ermöglicht.
Welche Investitionen planen Sie für 2010?
Im April werden wir den Stanz- und Prägevollautomaten Commercial 106 der Firma Bobst in Betrieb nehmen. Mit diesem neuen Maschinentyp erhöhen wir das Qualitätsniveau und erreichen eine noch höhere Flexibilität und Eigenständigkeit. In der weiteren Planung für 2010 ist der Kauf einer Zehn-Farben-Heidelberger XL 105. Genau beobachten werden wir auch den Bereich Digitaldruck. Dort erwarten wir neue System-Innovationen speziell bei der Erweiterung des Druckformats. Investitionen in diesem Bereich sind denkbar.
Welche weiteren Maßnahmen sind in absehbarer Zeit zu erwarten?
Ist damit zu rechnen, dass Sie – ähnlich wie viele andere Betriebe – mittelfristig Stellen abbauen?
Unsere Mitarbeiter sind zum großenTeil bei uns ausgebildet, das hat Tradition. Ohne Facharbeiter geht es nicht. Durch den hohen Automatisierungsgrad und durch Kostenstellenanalysen versuchen wir natürlich, Einsparpotenziale zu sichten und darauf Antworten zu finden. Auf unmittelbare Marktsituationen reagieren wir natürlich mit den Mitteln, die jedem Unternehmen zur Verfügung stehen. Ein kurzfristiges Handeln wird in der momentanen Situation immer notwendig sein.
Welchen Stellenwert hat Ausbildung für Ihr Unternehmen?
Ausbildung beziehungsweise Bildung jeglicher Art ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Es hat sich für uns immer gelohnt, junge Menschen auszubilden und ihnen eine berufliche Zukunft zu bieten. Das stetige Wachsen unseres Betriebes in den letzten 35 Jahren wurde überwiegend mit jungen Leuten aus eigener Ausbildung gedeckt.
Wie sehen Sie generell die Entwicklung der deutschen Druckindustrie?
Gehen Sie derzeit davon aus, dass die Krise vorerst überstanden ist?
Die digitalen Medien werden sicher zunehmend Einfluss auf das gedruckte Wort und Bild nehmen, sie werden es aber nicht so verdrängen, dass unser Leben völlig digital verläuft. Ich denke, die Märkte werden weiter schrumpfen, sich aber auch im Bereich von „High-End-Druckprodukten“ stabilisieren, vielleicht sogar erhöhen. Druckereien, die heute noch ausschließlich vom Buchgeschäft leben, werden unter Umständen unsere Wettbewerber von morgen sein. Betriebe, die die Einzigartigkeit von Papier und die Möglichkeiten der digitalen Medien geschickt kombinieren, werden sich mit den Anforderungen der Märkte weiterentwickeln und Bestand haben. Die Sinnlichkeit und Ausdruckskraft hochwertiger Drucksachen kann ein Flatscreen nicht ersetzen. Gedruckt werden wird noch sehr lange, denn Drucken ist ein Kulturgut.
Aber was bedeutet das für die aktuelle Krise?
Ich sehe die Krise noch nicht überstanden. Wenn man unseren Wirtschaftszyklus in Jahreszeiten einteilt, befinden wir uns gerade mitten im Winter. Im Vergleich zur Natur wissen wir nur nicht, wann der Frühling wieder einsetzt. Wir haben eine systemische Krise, und ich frage mich, wodurch überhaupt mehr Konsum und dadurch mehr Nachfrage nach Printprodukten erreicht werden soll. Ein weiterer Punkt, der uns beschäftigen sollte, ist, ob nicht der allgemeine Verfall moralischer Werte eine Mitschuld an der aktuellen Krise hat. Schaffen wir es, alte Denkmuster teilweise beiseite zu legen, sollte die Krise in den Griff zu bekommen sein – denn nach jedem Winter kommt ein Frühling.
2004 ist Druckpartner in die Katalogproduktion eingestiegen. Wie hat sich das Geschäft in diesem Bereich entwickelt?
Hier hatten wir eine positive Entwicklung. Mit mittlerweile mehr als zehn Mitarbeitern in diesem Bereich und der Erweiterung des Geschäftsfeldes Digitaldruck sind wir heute von einem klassischen Druckhaus zu einem Druck- und Medienhaus gewachsen.
2009 waren Sie in Afrika, um sich für ein Tierschutzprojekt zu engagieren. Worum ging es dabei?
Ziemlich genau vor einem Jahr fiel mit der Reise nach Uganda in Afrika der Startschuss zum sogenannten Mondbergeprojekt. Das Ziel des Projekts ist es, journalistisch zu dokumentieren, eine breite Öffentlichkeit zu informieren, zu unterhalten, aufzuklären und zu begeistern – um damit Bewusstsein dafür zu schaffen, wie notwendig Unterstützung für den Artenschutz ist. Für die Firma druckpartner als Partner des Mondbergeprojekts ist es wichtig, sich neben diversen Möglichkeiten direkt und ohne Umwege selbst aktiv für die Umwelt zu engagieren. Durch diese Einsatzbereitschaft – das Sponsoring und die Förderung dieses Medienprojekts – wird eine langjährige Unterstützung zum Schutz der letzten frei lebenden 700 Berggorillas und des Regenwalds im Herzen Afrikas erreicht.
Was tut druckpartner darüber hinaus für den Umweltschutz?
Wir setzen uns in unserem Betrieb täglich mit den Möglichkeiten der Ressourceneinsparung auseinander. Hier nur einige Beispiele: Seit mehreren Jahren verwenden wir Druckfarben und Waschmittel auf Sojabasis. 70 Prozent der eingesetzten Waschmittel in der Druckerei werden derzeit in unserem Betrieb recycelt. Außerdem werden die bei uns verwendeten Skalendruckfarben an allen Druckwerken über ein Kartuschensystem zugeführt. Durch die fast rückstandslose Auspressung dieser Kartuschen werden die Farbreste, die letztlich die Umwelt ja auch belasten, reduziert. Die Kartuschen werden bei uns recycelt. Im Moment beschäftigen wir uns zudem mit der Wärmerückgewinnung in unserer Druckerei. Hierzu vielleicht mehr zu einem späteren Zeitpunkt.
aus: Druck & Medien 2010/Ausgabe 2



